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Nachdem wir
die Saisoneröffnung in Thüringen erlebt haben, war die
Vorfreude auf das Ostertreffen gegeben. Sonnenverwöhnt
von der Pressefahrvorstellung auf Mallorca wurden nun
aber wieder dicke Pullover in den Koffer gepackt. Ganz
so berauschend waren die Temperaturen bei uns nicht.
Ein Teil der
Mitglieder reiste am Karfreitag an, der restlichen
Teilnehmer stießen am Samstag hinzu. Treffpunkt war das
Hotel Lippischer Hof, das einigen von vorherigen Treffen
schon bekannt war.
Am Samstag
führte uns die erste Etappe über kleine Dörfer zur
Ottensteiner Hochebene, wo man bei klarem Wetter eine
sehr gute Fernsicht hat. Richtung Weser ging es über die
„13 Kurven“ in die Münchhausenstadt Bodenwerder. An der
etwas flotteren Fahrweise merkte man, das es sich um
Alfons Hausstrecke handelte. Im Münchhausen-Museum
erfuhren wir einiges über den Lügenbaron Münchhausen.
Wer erinnert sich nicht an die Geschichte des Herrn von
Münchhausen auf der Kanonenkugel oder dem Ritt auf dem
halben Pferd? Über schöne, idyllische Sträßchen ging es
dann zum Kaffee trinken in das Gasthaus Reimer nach
Lütgenade. Glückwunsch an die Organisatoren! Das Café
habt ihr ganz toll ausgesucht! Wir saßen wie bei Oma im
gemütlichen Wohnzimmer und ließen uns mit Kaffee und
ganz leckerem, selbstgebackenem Kuchen verwöhnen. Vor
der Weiterfahrt hieß es: Hier müssen wir irgendwann noch
mal wieder hin! Die Fahrt ging über kleine Straßen und
Dörfer weiter zum Monte Wau-Wau, dem Köterberg,
legendärer Treffpunkt der Motorradszene. Aufgrund der
kühlen, aber Gott sei Dank trockenen, Witterung hielten
wir uns dort nicht lange auf, sondern legten eine Pause
bei Alfons und Marion ein, wo es ein Osterfeuer in
flüssiger Form gab. Dank Airscarf im neuen SLK konnten
Alfons & Marion das Dach des SLK öffnen, während wir
anderen es vorzogen, mit geschlossenem Dach zu fahren.
Am Hotel
angekommen hieß es, kurz frisch machen, denn das
Fun-Bike erwartete uns. Das Fun-Bike ist ein Maxirad für
das besondere Vergnügen, den Superspaß und die Fitness!
Ein außergewöhnliches Erlebnisfahrrad für maximal 14
Personen mit Motorunterstützung als eine Kombination aus
Tretkurbel- und Motorantrieb, begrenzt auf 6 km/h,
ausgestattet mit einer Bar inkl., Zapfanlage, einer
Top-Musikanlage, sowie Sonnen- bzw. Regenschutz mit
seitlich aufrollbarem Schlechtwetterschutz. Bei, nennen
wir es mal, volkstümlichen deutschen Oldies ging die
Fahrt um Lügde herum. Es war zwar lausig kalt – aber wir
hatten viel Spaß! Am besten hatten es unsere 3 Herren,
die die Bar bedienten. Sie saßen eher warm..... na ja,
und zum Schluss kamen vorne die Getränke nicht mehr ganz
so fließend an :-) Nach der Fahrt wärmten wir uns erst
einmal im Hotel auf bevor der restliche Abend bei sehr
schmackhaftem Essen gemütlich und recht vergnügt
verbracht wurde.
Noch nie
haben wir ein Treffen so relaxt angehen lassen. Alle
Unternehmungen geschahen ohne Zeitdruck, fast nach dem
Motto „Was nicht heute, das morgen“.
Am
Ostermontag genossen wir wirklich in aller Ruhe ein
Sektfrühstück. Am späten Vormittag fuhren wir zum 1.
Stopp in die Malerstadt Schwalenberg. Es war wie eine
Zeitreise ins Mittelalter. Die historische Fachwerkstadt
schmiegt sich an den Berg der einstigen, mächtigen
Ritterburg. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist
Schwalenberg Malerstadt. Diese Tradition wird bis heute
mit zahlreichen Kunstausstellungen aufrechterhalten. Wir
waren total begeistert von dieser niedlichen Stadt! Es
gibt doch immer wieder noch sehr schöne, unentdeckte
Ecken in Deutschland. Liebevoll gepflegt stand
Fachwerkhaus an Fachwerkhaus. Schwalenberg wurde 1231
durch den Sachsengraf Volkwin gegründet. Der historische
Stadtkern mit den restaurierten Ackerbürgerhäusern ist
eine Augenweide. Lädchen an Lädchen mit schönem
Schnick-Schack, hübschen Gaststätten usw. Ulrike und ich
waren nur „froh“, dass die hübschen Lädchen geschlossen
waren.
Im Rahmen
unserer Tour wurde in Blomberg, auch einem sehr
malerischen Städtchen, ebenfalls ein kurzer Stopp
gemacht. Blomberg, die Blume, die an der alten
Handelsstraße von Aachen nach Königsberg errichtete
Stadt aus dem 13. Jahrhundert, hat ihr mittelalterliches
Flair erhalten. Die Burg Blomberg und die spätgotische
ehemalige Klosterkirche sind sehenswert. Bemerkenswert
ist auch, dass Kirche und Kirchturm zwei Gebäude sind.
In der Altstadt finden sich mehr als 250 restaurierte
Fachwerkhäuser und das einzige noch erhaltene
mittelalterliche Stadttor in Lippe. Hier zeigte uns
Oskar die kleinste Kneipe der Welt, den Schweinstall. 2
Personen passen in diese Kneipe, die auch schon im
Guinessbuch der Rekorde stand. Danach ging es weiter
nach Lügde. Einer Altstadt, mit restaurierten
Ackerbürgerhäusern, einer erhaltenen Wehranlage mit
Stadtmauer, Wehrtürmen und Wehrgraben. Wo heute in Lügde
die Kilianskirche, eine der ältesten Kirchen in
Westeuropa, steht, hat einst Karl der Große sein
Weihnachtsfest verbracht. Der liebevoll restaurierte
Stadtkern vermittelt ein Gefühl vergangener Zeiten.
Highlight von Lügde ist jedoch der historische
Osterradlauf, der alljährlich am Ostersonntag
stattfindet.
Wir waren
alle schon gespannt wie ein Flitzebogen, wie denn nun
Osterräder gestopft werden. In Lügde an der Emmer waren
die Fahrgeschäfte, Buden usw. aufgebaut, die schon
tagsüber eine Volksfeststimmung aufkommen ließen. Hier
haben wir uns mit einer Bratwurst gestärkt und
abgewartet, dass der Umzug mit den Osterrädern hinauf
zum Osterberg beginnt.
Auf einer,
von zwei Pferden gezogenen, Kutsche sind 6 Osterräder.
Auf einer zweiten Kutsche wird das Stroh, mit dem die
Osterräder gestopft werden, gezogen. Beides wird dann
hinauf zum Osterberg gebracht. Wir mussten zu Fuß den
Osterberg erklimmen. Es war etwas anstrengend, aber der
Weg hat sich gelohnt.
Abgesehen
von der schönen Aussicht war es sehr interessant zu
sehen, wie diese Osterräder gestopft wurden. Die
Osterräder werden mit Roggenstroh von den Dechen
gestopft. Die Strohbunde werden mit Haselnussruten
festgebunden. Das Stroh wird noch mit einem Binder
gemäht und mit einer alten Dreschmaschine gedroschen.
Der
Dechenverein Lügde ist der Veranstalter des
Osterräderlaufes in Lügde und Bewahrer eines
historischen Brauchtums. Zahllose Arbeiten müssen zum
Erhalt es Brauchtums erfüllt werden. Unter anderem die
Vorbereitung des Räderlaufes wie z.B. das Haselnussruten
drehen und das Wässern der Räder in der Emmer, wie auch
die Erhaltung der zahlreichen Sicherheitsanlagen
(Fangzäune, Absperrungen). Ein gewässertes Osterrad nach
5-tägigem Bad in der Emmer hat immerhin ein Gewicht von
ca. 280 kg.
Nachdem wir
uns das Stopfen angesehen hatten, fuhren wir zurück zum
Hotel, wo uns abermals ein geschmackvolles 3-Gangmenü
erwartete. Mit dem Hotelbus wurden wir dann am Abend
nach Lügde gebracht, wo gegen 21.00 h der Lauf der
Osterräder starten sollte.
Zum
Osterradlauf wurden ca. 40.000 Menschen erwartet. Da
kann man sich vorstellen, welche Menschenmengen dort
anreisen. Wir hatten aber das ganz große Glück, einen
Logenplatz zu ergattern. Verwandte von Oskar wohnen
direkt am Fuße des Osterberges. Hier hatten wir unsere
Ehrenplätze. Versorgt mit Getränken genossen wir den
Abend auf der Bierzeltgarnitur und konnten das Spektakel
ungestört vom Trubel der ganzen Zuschauer hautnah
erleben.
6 Osterräder
mussten den Weg nach unten finden. Unsere Spannung stieg
mit der Dunkelheit. Was würde uns erwarten? Gegen 21.00
Uhr kündigte ein Schuss aus der Kanone das Spektakel an.
Es begann mit einem kleinen Feuerwerk. Dann wurde es
ganz still und in Feuerwerk flackerten die Worte
„Angermünde“ und „Lügde“ in roter Schrift auf. Die
Partnerstadt Angermünde hat ein neues Rad gestiftet,
wodurch sie die gute Verbindung zu den Dechen
unterstreichen wollte. Viele „oohh“ und „aaahh“ waren zu
hören. Ich meinte nur „Wenn jetzt noch SLK Roadster Club
aufleuchten würde, dann hätte das was“.
21.00 Uhr -
Endlich war es so weit! Ein Böllerschuss verkündet den
Beginn und ließ alle Besucher verstummen. Gebannt
warteten wir auf das, was nun kommen sollte. Das erste
Rad wurde angezündet. Die Flammen schlugen hoch und man
dachte, es würde ausbrennen, bevor es den Berg
runtergerollt wäre. Aber die Dechen verstehen ihr
Handwerk. Zum richtigen Zeitpunkt wird das Rad mit Hilfe
einer Stange zum laufen gebracht. Das angestrahlte Kreuz
auf dem Berg ging aus. Erst langsam, dann immer
schneller rollt das Rad dem ersten Hang zu, stürzt
diesen hinab, gewinnt an Schwung und Fahrt, überspringt
Wege und zieht unbeirrt seine feurige Bahn ins Tal. Mit
Gejubel und Geklatsche wird das Rad empfangen.
In kurzen
Abständen folgen noch 5 weitere Räder. Immer wieder
dasselbe Schauspiel. Kommen die Räder gut ins Tal, so
heiß es, wird es dem alten Volksglauben folgend ein
gutes Erntejahr werden. Na ja, ein Rad kam sehr gut an,
die anderen fünf hatten meistens einen Rechts- bzw.
Linksdrall. Warten wir also lieber ab, wie die Ernte
wird. Nicht immer müssen Prognosen stimmen.
Als
Abschluss war kurz vor 22.00 h ein grandioses
Höhenfeuerwerk, was eine Gänsehaut hervorrief. Es war
wunderschön anzusehen und wir hatten den Ein druck, als
ob es niemals enden würde. Da uns der Trubel zu fiel
wurde und wir lieber noch gemütlich im geheizten Hotel
den Abend ausklingen lassen wollten, holte uns der
Hotelier gegen 22.30 h wieder ab. Im Hotel ließen wir
das schöne Wochenende gemütlich ausklingen und erfreuten
uns noch am Erlebten.
Am
Ostermontag reisten die Teilnehmer nach und nach ab und
es hieß „Auf Wiedersehen“. Auf jeden Fall möchten wir
die tollen Sträßchen noch mal bei Sonnenschein mit
offenen Dächern fahren und Alfons und Marion werden
bestimmt noch mal eine Tour im Weserbergland anbieten. |