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Aufgrund der
vielfachen Nachfrage und auch damit die Winterpause
nicht so lang ist, haben sich Ruth und Siggi bereit
erklärt das Wintertreffen 2006 zu organisieren. Der Ort
wurde bewusst im mittleren Gebiet Deutschlands gewählt,
damit alle Teilnehmer eine etwa gleichweite Anreise
haben. Aber die Anmeldungen trafen nur schleppend und
spärlich ein, so dass das Wintertreffen ins Eiswasser zu
fallen drohte. Schlussendlich sind wir nun mit fünf 5
Fahrzeugen, davon 2 SLK und 11 Personen bereit das
Treffen in vollen Zügen zu genießen.
Bei
Sonnenschein und klirrender Kälte näherten wir uns
unserem Ziel, dem Posthotel im Luftkurort Rotenburg an
der Fulda. Nach dem Beziehen der modernen Komfortzimmer
im zentral gelegenen Posthotel, sogar mit einer echten
Postkutsche vor dem Eingang, erwartete uns um 17.30 Uhr
der hiesige Nachtwächter zu einer historischen
Stadtführung.
Vom Hotel
aus gelangten wir durch schmale Gässchen mit schönen
alten Fachwerkhäusern und kleinen schmucken Lädchen zur
Fuldabrücke mit Wehr und Schleuse. Hier erhielten wir
dann einige Informationen über das alte
Landgrafenstädtchen. Über seine Gründung im
11.Jahrhundert und seine bevorzugte Lage an der engsten
Stelle der Fulda. Der Ort wurde von den Landgrafen von
Thüringen gegründet und mit Mauern und Türmen befestigt.
Die Fulda teilt Rotenburg in die Altstadt (linkes Ufer)
und die 1340 entstandene Neustadt. Beide wurden erst im
Jahre 1607 offiziell vereint. Das Schloss in Rotenburg
wurde 1470 erbaut und diente den Landgrafen zeitweise
als Wohnort. Obwohl der Vortrag unseres „Nachtwächters“
sehr interessant und humorvoll anzuhören war, hatten wir
doch auf Grund der bitteren Kälte das Gefühl, einige
Körperteile (z.B. die Füße) seien nicht mehr bei uns.
Doch dann kam die Rettung. Im Innenhof des Schlosses
zauberte Ruth wie von Geisterhand für jeden Bedürftigen,
und es waren alle bedürftig, ein kleines Schnäpschen zum
Auftauen und Aufwärmen aus ihrer Tasche. Nun konnte es
weiter gehen. Das nächste Ziel war der Mittelpunkt des
Ortes: der Marktplatz mit dem Rathaus und der
Jakobi-Kirche. Die Altstadt wird komplett von der über 5
Meter hohen Wehrauer umfasst, die vermutlich bereits bei
der Stadtgründung 1248 gebaut wurde. Als Bestandteil der
Stadtmauer wurden 6 Wach- und Verteidigungstürme, von
denen noch zwei erhalten sind, errichtet. Im Hexenturm,
den wir schnellen Schrittes passierten, soll um 1668 die
letzte Hexe eingesperrt worden sein. Durch die Straßen
der Innenstadt ging es weiter, vorbei an lebensgroßen
Bronzefiguren, die Darstellungen aus dem bürgerlichen
Leben zeigen, z.B. die Diakonisse mit ihrem Hund auf dem
Weg zur Kirche. Auf dem Marktplatz, wo einige Wochen
zuvor Hessens romantischster Weihnachtsmarkt
stattgefunden hatte, konnten wir noch eine der größten
Weihnachtspyramiden Deutschlands bestaunen. Für einen
Becher Glühwein war es jedoch zu spät - dachten wir.
Einige
Minuten später, als wir doch ziemlich verfroren wieder
im Hotel ankamen, wurden wir bereits in der
Eingangshalle mit einem köstlichen Heißgetränk - genannt
Glühwein - empfangen. Nach einigen Schlückchen war die
Welt wieder in Ordnung und warm. Nach einer kleinen
Ruhepause waren wir wieder fit für das Abendprogramm. Um
20.00 Uhr trafen wir uns in der Poststube zu einem sehr
köstlichen und reichhaltigen 4-Gang-Menü. Als
Zwischengang 4a wurde vom Haus ein Haselnussgeist
serviert. Sehr köstlich!! Um uns nach dem opulenten Mahl
etwas die Füße zu vertreten, fuhren wir ins Untergeschoß
zum „Postmix“, einem gemütlichen Abendlokal. Hier fand
der Abend, bei dem ein oder anderen Cocktail und dem ein
oder anderem Haselnussgeist, einen gemütlichen Ausklang.
Nach viel zu
kurzer Nacht begann der folgende Tag in der
Kutscherstube. Das reichhaltige und vielseitige
Frühstücksbuffet bot von Rührei über Käse- und
Schinkenplatte, Müsli- und Obstauswahl bis hin zu
verschiedensten Kuchen alles was das Herz bzw. der Magen
begehrte. Frisch gestärkt ging es dann durch Waldhessen,
dem Land der Burgen, Berge und Wälder Richtung Eisenach
zur Wartburg. Wir waren diesmal in geheimer Mission
unterwegs, d.h. wir - der SLK Roadster Club - fuhren
inkognito in drei Kombis übers Land. Die beiden einsamen
SLK mit Kennzeichen aus Essen und Hannover durften, vor
Eis und Schnee geschützt, in der Tiefgarage unseres 4
Sterne Hotels auf uns warten. Bei blauem Himmel,
strahlendem Sonnenschein und einigen Minusgraden fuhren
wir durch die schneebedeckte Mittelgebirgslandschaft zum
Fuße der Wartburg. Da der ca. 15minütige Fußweg zur Burg
steil bergauf geht und wir ja schließlich kein
Wanderverein sind, hatte Ruth wohlweißlich einen
Busshuttle organisiert. Der Blick vom Fuße der Burg als
auch mittendrin ist beeindruckend.
Die
Wartburg, umgeben von bewaldeten Höhen, nimmt in der
deutschen Burgenlandschaft eine besondere Stellung ein.
Sie wurde um 1067 gegründet, zwischen den Jahren 1838
und 1890 umfassend restauriert und durch entsprechende
Rekonstruktionsarbeiten wurde der Burg ihr heutiges
Aussehen verliehen. Schließlich wurde sie von der UNESCO
zum Weltkulturerbe erklärt. Die Führung der Burg
umfasste den Palas und neun weiter Räume der Burg. Der
Palas, der aus dem 12.Jahrhundert erhalten ist, stellt
eine seltene Kostbarkeit spätromantischer Baukunst dar.
In der Zeit der Thüringer Landgrafen, der „Ludowinger“,
erblühte die Wartburg zum weitgerühmten Musenhof, in dem
alle schönen Künste gepflegt wurden. Die Lieder Walthers
von der Vogelweide erklangen hier und der aus der Sage
bekannte Sängerkrieg auf der Wartburg wurde Vorlage für
Richard Wagners „Tannhäuser“, der auch heute noch im
Konzertsaal der Burg aufgeführt wird. In zwei weiteren
Räumen wird durch farbenprächtige Wandmosaike das Leben
und Wirken der hl. Elisabeth dargestellt. Elisabeth
bewohnte mit ihren Mann und ihren drei Kindern die Burg
und wurde bereits zu Lebzeiten aufgrund ihrer
Barmherzigkeit und Hilfe für die Armen und Kranken
verehrt. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie von ihrem
Schwager aus der Burg vertrieben. Bereits vier Jahre
nach ihrem Tod wurde Elisabeth heilig gesprochen. Der
nächste Raum, die Lutherstube, zeigte den Wohn- und
Arbeitsraum des Reformators. Martin Luther wurde von
Papst und Kaiser verfolgt und gelangte durch eine
Scheinentführung in schützenden Gemäuer der Wartburg, wo
er das neue Testament aus dem Griechischen übersetzte.
Mit einer großartigen Sammlung reformatorischer
Flugschriften und verschiedenen Gegenständen aus seinem
Besitz halten die Wartburg und ihr Museum die Erinnerung
an ihren einstigen, weltberühmten Bewohner aufrecht. Die
1½-stündige Führung durch die Räume der Wartburg verging
mit der jungen, kompetenten Führerin wie im Fluge. Nach
soviel geballter Kultur wollte auch der Magen zu seinem
Recht kommen. Dies geschah im äußerst noblen Restaurant
des „Hotel auf der Wartburg“.
In
historischer Umgebung und stilvollem Ambiente ließen wir
es uns schmecken, bevor der Shuttlebus uns wieder zum
Parkplatz brachte.
Frisch
gestärkt begann um 14.30 Uhr bei -9° C, lt. Anzeige
einer Apotheke, die Stadtführung in Eisenach. Wir
konnten der netten Stadtführerin, die uns immer mit
„liebe Gäste“ ansprach, schnell klar machen, dass die
auf 1½ Stunden angelegte Stadtbesichtigung sicher auch
in einer Stunde zu bewältigen sei. Sie redete wie ein
Wasserfall und brachte uns im Laufschritt die
Sehenswürdigkeiten ihrer Stadt nah.
Eisenach,
die Stadt am Fuß der Burg, ist nicht nur harmonisch in
eine wunderschöne Landschaft eingebettet, sondern sie
ist auch mit den Namen weltberühmter Persönlichkeiten
verbunden. So ist sie nicht nur die Geburtsstadt von
Johann Sebastian Bach, auch Martin Luther lebte hier
mehrere Jahre während seiner Schulzeit bei der Familie
Cotta und Goethe weilte als Geheimer Rat sehr oft in
Eisenach und auf der Wartburg. Ausgangspunkt der Führung
war das Nikolaitor, von da aus ging es zum Lutherdenkmal
und zur Elisabethkirche. Sie ist die einzige katholische
Kirche der Stadt und wurde nach dem Vorbild der
Marburger Elisabethkirche erbaut und 1888 der heiligen
Elisabeth von Thüringen geweiht. Durch die
Fußgängerzone, mit ihren hübschen kleinen Geschäften und
Fassaden führte uns der Rundgang weiter zum Rathaus und
zum Stadtschloss. Ebenfalls am Marktplatz gelegen ist
die Georgenkirche. Ludwig IV. erhielt hier seinen
Ritterschlag und heiratete in dieser Kirche die später
heilig gesprochene Elisabeth. Nicht weit vom Marktplatz
steht das 500 Jahre alte Lutherhaus, das schönste und
älteste Fachwerkhaus Eisenachs. Hier, bei der Familie
Cotta, fand Luther während seiner Schulzeit so
freundliche Aufnahme, dass er Eisenach später „meine
liebe Stadt“ nannte. Einen Katzensprung entfernt steht
das Bachdenkmal mit dem Bachhaus. Das über sechshundert
Jahre alte Bürgerhaus ist das erste Johann Sebastian
Bach Museum. Hier kann man Musikvorträge auf
Originalinstrumenten aus der Bachzeit hören. Wir
erlebten hier das Ende einer im Zeitraffer vorgetragenen
Stadtgeschichte, die uns auf sehr liebenswerte Art viel
Neues und Interessantes nahe brachte.
Wieder mal
stark unterkühlt fuhren wir ins Hotel zurück und
änderten diesen Zustand mit heißem Rum, Kakao und Sahne.
Nach einer kleinen Ruhepause wurde der Abend im „Postmix“
einem ganz tollen Raum unseres Hotels mit dem
Räuberessen fortgesetzt. Die Räuber von früher speisten
ganz vorzüglich mit Leckereien aus dem Weiher, deftiger
Kartoffelsuppe in einem ausgehöhlten kleinen Brot und
üppigen Fleischplatten mit allerlei Beilagen. Zum
Nachtisch wurde Baumbehangenes serviert. Es handelte
sich nicht um Weihnachtskugeln, sondern um Äpfel und
Birnen in Blätterteig und Vanillesoße. Leider mussten
uns nach dem Essen schon die ersten Teilnehmern dieses
schönen Wochenendes verlassen. Karin und Rolf Fellermann
hatten am nächsten Vormittag schon einen Termin im
Bremerland. Die restliche Gruppe ließ den Abend in der
„Postmix-Bar“ bei Oldiemusik und guter Stimmung
ausklingen.
Am
Sonntagmorgen wurden wir wieder mit blauem Himmel,
Sonnenschein und Temperaturen unter 0°C geweckt. Bei
einer heißen Tasse Kaffee und dem großen Angebot des
Frühstückbuffets wurden wir dann richtig wach. Unsere
heutige letzte Ausfahrt sollte uns nach Oberellenbach
führen. Vorher hatten wir aber noch einen Fototermin.
Wir trafen uns alle vor dem Hoteleingang um ein
Gruppenbild mit der historischen Postkutsche zu machen.
Dabei hatten wir viel Spaß mit Roberts Kamera und dem
Selbstauslöser. Jetzt ging es aber wirklich los zum
ökologischen Biohof Kirchhof in Oberellenbach.
Oberellenbach liegt am Rande des Knüllgebirges, nahe
einem Natur- und Landschaftsschutzgebiet. Der Kirchhof
ist etwa 300 Jahre alt und hat seinen Namen seiner Lage,
gleich hinter der alten Wehrkirche, zu verdanken. Der
Hof wurde 1981 von der Fam. Hannigs, die eine
Bio-Selbstversorger-Landwirtschaft aufbauen wollte,
gekauft. Bereits 20 Jahre später wurden sie Preisträger
des Agrarkulturpreises 2001 der Schweisfurth-Stiftung.
Voller Stolz wurde uns der große, rund um belüftbare
Stall gezeigt. Rechts waren die Ziegen und links die
Kühe untergebracht. Die Tiere haben getrennte Fress- und
Schlafbereiche, und alles macht einen auf die
Bedürfnisse der Tiere angepassten Eindruck. Nach einigen
Ausführungen über die artgerechte Haltung und
Verpflegung der Tiere durften wir einen Blick in die
Käserei und auch den Käsekeller, wo der Käse reift und
gelagert wird, werfen. Hier stand auch etwas für unseren
Gaumen bereit. Käsespieße mit Proben der
unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen standen zum
Verzehr bereit. Im gleich nebenan liegenden Hofladen
konnte sich jeder mit seiner Lieblingssorte Käse,
frischem Brot aus der Backstube und dem passenden Wein
versorgen. Nach einem gelungenen Einkauf hieß es nun
Abschied nehmen.
Trotz der
niedrigen Temperaturen - das kann bei einem
Wintertreffen schon mal vorkommen - konnten wir ein
schönes, erlebnisreiches und harmonisches Wochenende
genießen. Auch die kulturellen und lukullischen
Interessen kamen nicht zu kurz. Vielen Dank für die
schönen Ideen und die gute Organisation an Ruth und
Siggi. |